Haus als Massiv- oder Fertighaus bauen?

MassivhausWer den Bau eines Hauses plant, wird automatisch vor die Wahl gestellt, ob es ein Massiv- oder ein Fertighaus werden soll. Diese Frage stellen sich alljährlich unzählige Bauinteressenten. 2014 lag der Anteil an Fertighäusern bei knapp unter 16 % des Gesamtbestandes. In diesem Wert sind sowohl öffentliche als auch private Häuser enthalten. Obwohl die Fertighausbaubranche immer wieder die besonderen Vorteile ihrer Produkte hervorhebt, ist den Fertighäusern noch kein ernsthafter Durchbruch gelungen. Die Entscheidung für die eine oder andere Bauweise hat für den Bauherrn unterschiedliche Folgen, die in den kommenden Jahrzehnten von großer Bedeutung sein werden. Dabei ist es unerheblich, ob er sein Eigenheim selbst bis an sein Lebensende bewohnen oder nach einigen Jahren wieder verkaufen möchte. Es lohnt sich daher, genau abzuwägen und dieses Thema bis ins Detail zu analysieren.

Argumente der Fertighausbaubranche für das Fertighaus

Im Zusammenhang mit Fertighäusern werden bestimmte Argumente immer wieder von den Anbietern in den Vordergrund gerückt.

Folgende Aussagen lesen Interessenten vermehrt:

  1. Ein Fertighaus kann im Gegensatz zu einem Massivhaus in einer kurzen Bauzeit zu einem geplanten Termin fertiggestellt werden.
  2. Ein Fertighaus ist wesentlich preisgünstiger als ein Massivhaus.
  3. Bauherren haben nur einen Ansprechpartner.

Massivhaus vs. Fertighaus

Doch inwieweit stimmen diese Argumente?

Es stellt sich die Frage, ob die hier genannten Argumente der Fertighausbaubranche wirklich zutreffen. Daher haben wir nachfolgend eine kleine Gegenüberstellung der Argumente im Vergleich zur massiven Bauweise zusammengestellt.

Die Bauweisen

1. Massivhaus

Neubau als MassivhausEin Massivhaus wird aus Mauerwerk (Stein auf Stein) und Beton oder Stahlbeton errichtet. Sowohl die tragenden Wände als auch die äußere Hülle werden aus massiven Baumaterialien gefertigt, in der Regel sind das Ziegel, Kalksandstein oder Porenbeton. Diese Baustoffe haben sehr gute Eigenschaften hinsichtlich ihrer Festigkeit, Langlebigkeit, Wärmedämmung, aber auch des Brand- und Schallschutzes. Alle zum Hausbau verwendeten Steine sind genormt und können daher sehr passgenau mit nur geringen Mörtelmengen zu einem stabilen Mauerwerk zusammengefügt werden. Sie bestehen ausschließlich aus natürlich vorkommenden Stoffen (z. B. Ton, Kalk, Gips). Ein Massivhaus kann völlig frei gestaltet und aufgeteilt werden. Der Grundriss ist auch nach der Fertigstellung des Gebäudes veränderbar. Nicht-tragende Wände können entfernt, neue Wände können errichtet werden. So kann das Massivhaus veränderten Lebensbedingungen, die sich im Laufe der Zeit ergeben können, angepasst werden.
Auf www.massivhaus-massivbau.de/ finden Sie ausführliche Informationen über die eingesetzten Baustoffe beim Neubau als Massivhaus.

 

2. Fertighaus

Neubau als FertighausEin Fertighaus hingegen wird aus im Werk vorgefertigten Teilen zusammengestellt. Es basiert in den meisten Fällen (in etwa 95 %) auf einer hölzernen Grundkonstruktion und einzelnen Elementtafeln, die erst auf der Baustelle montiert werden. In der Branche wird zwischen Häusern in Holztafelbauweise oder mit Holzrahmenbau, Holzskeletthäusern und Holzblockhäusern unterschieden. Fertighäuser haben einen festen Grundriss, der entweder nicht oder nur in Verbindung mit hohen Kosten geändert werden kann.
Sehr wenige Fertighäuser entstehen mit der Verbundschaltechnik: Hierbei werden die werkseitig vorbereiteten Holzwände oder aufeinandergesetzte Leichtbausteine direkt vor Ort mit Beton befüllt. Diese Methode hat einen besonders positiven Einfluss auf die Wärme- und Schalldämmungseigenschaften der Häuser. Bei der preisgünstigeren Variante dieser Technik wird mit Polystyrol-Schalungssteinen gearbeitet. Diese werden zunächst aufeinandergeschichtet und erst im Anschluss mit Beton gefüllt. Polystyrol ist jedoch sehr umstritten. Diesem Werkstoff werden sehr ungünstige Brandeigenschaften zugesprochen. Dies kann zu ökologischen Problemen führen und ist daher eher als bedenklich einzustufen.
Auf www.hausbauberater.de finden Sie weitere Informationen über die Bauweisen von Häusern.

 

 

Bauzeit und Terminsicherheit

1. Massivhaus

Bei Massivhäusern ist die Bauzeit von anderen Faktoren abhängig als bei Fertighäusern. Hier spielen sowohl die Größe und Ausstattung des Hauses als auch die Jahreszeit zu Baubeginn eine große Rolle. Im Durchschnitt kann für ein freistehendes Standard-Einfamilienhaus mit einer Bauzeit von etwa sechs Monaten gerechnet werden. Selbstverständlich müssen beim Bau eines Massivhauses mehr Trocknungstage eingeplant werden als bei einem Fertighaus. Diese betreffen vor allem die Trocknung des Innenputzes. Hier benötigen Sie etwa zwei Wochen Trocknungszeit. Die Wände überzeugen jedoch aufgrund ihrer Bauweise durch gleichmäßige Stabilität und Tragfähigkeit. An ihnen können problemlos auch schwere Gegenstände wie z. B. Küchenschränke oder Hängevitrinen befestigt werden. Vor diesem Hintergrund entpuppt sich die etwas längere Wartezeit als lohnenswert und stellt nur einen minimalen Nachteil dar.

 

2. Fertighaus

Fertighäuser werden in Einzelteilen im Werk vorgefertigt, anschließend an der Baustelle aufgestellt und montiert. Parallel zur Fabrikfertigung muss das zu bebauende Grundstück entsprechend vorbereitet werden. Je nach Vereinbarung wird eine Baugrube ausgehoben, der Keller gefertigt oder das Fundament betoniert. Die Wartezeiten, die für die Trocknung von Bodenplatte und Estrich nötig sind, entsprechen selbstverständlich denen eines Massivhauses. Wenn hier witterungsbedingte Verzögerungen durch andauernden Starkregen oder Dauerfrost entstehen, gibt es bereits erste Probleme, den vereinbarten Zeitplan einzuhalten. Weitere Verzögerungen können auch im Zuge der Fertigung und Montage der Hauselemente entstehen: Bedingt durch Urlaubszeiten oder Krankheitswellen kann es zu Personalmangel bei der Fertigungsfirma kommen. Auch eine hohe Auftragsdichte kann Wartezeiten und weitere Verzögerungen auslösen. Sollte ein Kunde Türen oder Fenster mit individuellen Wunschmaßen gewählt haben, dauert deren Herstellung ebenfalls länger als üblich. Im letzten Schritt muss auch der Transport der Bauteile vom Werk zur Baustelle optimal geplant werden, um den Terminplan einhalten zu können. Nur bei einem reibungslosen Ablauf ist ein Fertighaus in nur wenigen Tagen aufgestellt. Im Anschluss folgt jedoch noch der Innenausbau, bevor es für den Bezug zur Verfügung gestellt werden kann.

 

 

Der Baupreis

Fertighäuser sind günstiger als Massivhäuser.“. Stimmt diese Aussage wirklich?
Was vor etwa 20 Jahren noch zutreffend gewesen sein mag, gilt für heutige Fertighäuser definitiv nicht mehr. Sie haben preislich deutlich aufgeholt und befinden sich in etwa auf dem gleichen Niveau wie Massivhäuser. Allerdings bieten moderne und zeitgemäße Fertighäuser heute auch eine deutlich höhere Qualität. Ihr Schall-, Trittschall- und Wärmeschutz wurde verbessert, sodass diese mit ihren Vorgängern aus den 1950-er und 1960-er Jahren nicht mehr zu vergleichen sind. Dennoch gibt es auch heute Fertighausfirmen, die zusichern, ein schlüsselfertiges Eigenheim für nur 80.000,– Euro zu errichten. Wenn es tatsächlich bei diesen Baukosten bleiben soll, verbietet sich jedoch jeder Extrawunsch – auch der nach einer weiteren Steckdose – von selbst. Sobald Kunden die festgelegten Vorgaben der Hausbaufirma hinsichtlich des Designs oder der Ausstattung verlassen und individuelle Anpassungen wünschen, zieht der Baupreis deutlich an.

 

 

Die Hauseigenschaften

Luftdichtheit

Ein Massivhaus ist dauerhaft luftdicht, wenn es fachgerecht verputzt wurde. Erst der Innenputz stellt diese Luftdichtheit sicher. Dabei muss darauf geachtet werden, dass immer vom Rohfußboden bis zur Decke sauber und fehlerfrei verputzt wird. Bewohner von Fertighäusern sind hinsichtlich der Luftdichtheit ihrer Eigenheime uneins: Einige klagen über Zugluft, andere spüren nichts davon.

 

Schallschutz

Der Schallschutz stellt ein häufig geäußertes Problem von Fertighäusern dar. Zahlreiche Hausbesitzer beklagen sich über die Hellhörigkeit zwischen den einzelnen Räumen oder auch zum Nachbarn, wenn es sich beim Fertighaus um ein Doppel- oder Reihenhaus handelt. Auch die Trittschalldämmung wird oft bemängelt. Die Ursachen liegen in den meisten Fällen bei den verwendeten Baumaterialien. Auch die bei Fertighäusern häufig anzutreffende offene Bauweise kann diese Problematik hervorrufen. Im Gegensatz dazu kennen Massivhausbewohner diese Probleme nicht, da Steine deutlich mehr Schall absorbieren als Holz.

 

Wärmeschutz

Die Fähigkeit zur Wärmespeicherung ist bei einem Massivhaus sehr gut. Die Massivsteine, die sowohl für Außen- als auch für Innenwände verwendet werden, speichern die Wärme und geben sie nach und nach wieder ab. Die Außenwände eines Standard-Fertighauses kommen hier nicht ohne eine spezielle Dämmung aus, die aus Kostengründen in den meisten Fällen aus dem umstrittenen Werkstoff Polystyrol besteht.

 

Brandschutz

Die für ein Fertighaus verwendeten Materialien haben eine geringere Feuerbeständigkeit. Die Mauersteine, die hingegen in einem Massivhaus verbaut werden, sind in die höchste Brandschutzklasse B1 eingestuft.

 

Nachhaltigkeit und Gesundheit

Alle für ein Massivhaus verwendeten Baumaterial können nach einem Abriss des Gebäudes wiederverwendet oder ökologisch unbedenklich entsorgt werden. Dies ist gewährleistet, weil die Bauteile aus natürlichen Stoffen bestehen. Dieser Umstand hat auch den Vorteil, dass Massivhäuser frei von Allergenen sind.
Die Bauteile eines Fertighauses eignen sich nicht zu einer anderweitigen Verwendung. Viele von ihnen werden nach einem Abriss sogar zu Sondermüll und müssen fachmännisch der Entsorgung zugeführt werden.

 

 

Die Ansprechpartner

Neubau aus einer HandFertighäuser werden von spezialisierten Fertighausfirmen nach dem Prinzip „Alles aus einer Hand“ gebaut. Kunden können sich also bei allen Fragen und Unstimmigkeiten an einen einzigen Ansprechpartner wenden. Kompetenzen werden konzentriert und kurze Informationswege ermöglicht.

Inwieweit diese für den Bauherrn praktische Handhabung auch beim Bau eines Massivhauses zutrifft, hat dieser selbst in der Hand. Entscheidet er sich dafür, die Auftragsvergabe ohne fremde Hilfe durchzuführen und selbst häufig auf der Baustelle präsent zu sein, ist das zwar ein möglicher, jedoch sehr zeitintensiver und nervenaufreibender Weg. Daher entscheiden sich die meisten Bauherren entweder dazu, einen Architekten mit der Planung und Überwachung zu beauftragen oder den Bauauftrag direkt an eine Hausbaufirma zu vergeben. In diesen Fällen gibt es auch hier nur einen Ansprechpartner, bei dem alle wichtigen Informationen zusammenlaufen. Natürlich steht es jedem Bauherrn frei, sich jederzeit selbst ein Bild vom Baufortschritt vor Ort zu machen.

 

 

 

Fazit

Auch wenn an dieser Stelle die drei oben genannten Hauptargumente für ein Fertighaus widerlegt sind, soll noch auf einen weiteren Unterschied zwischen Fertig- und Massivhäusern hingewiesen werden: Da im Allgemeinen einem Massivhaus eine längere Lebensdauer zugesagt wird, kann es bei Banken zu günstigeren Konditionen beliehen werden. Darüber hinaus haben Massivhäuser einen deutlich höheren Wiederverkaufswert. Die Argumente der Fertigbauhersteller stimmen zwar, jedoch sind sie schon lange kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Vielmehr überwiegen die Argumente für ein Massivhaus in der Regel.

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